• Daniela Friedrich

Mitarbeiter brauchen Druck!



Als freie Beraterin und Coach darf ich in den Alltag vieler Agenturen eintauchen. Ich lerne die Führungskräfte und ihre Führungsstile kennen. Und ich lerne die Mitarbeiter und deren Herausforderungen kennen. Oft klagen mir beide Seiten ihr Leid und wünschen sich, dass ich dafür schnellstens Lösungen finde, sodass ein reibungsloser Ablauf garantiert ist. Was leider oft vergessen wird ist, dass Veränderung Zeit braucht.


Die Geschäftsführung ist in der Regel mein erster Ansprechpartner in einem Unternehmen. Sie sieht Bereiche, die nicht optimal laufen und erkennt, dass Unterstützung benötigt wird. In den ersten Gesprächen erzählt mir die Führungskraft, wo der Schuh drückt und meistens erfahre ich dann auch sofort in welcher Abteilung oder in welchem Team die Mitarbeiter nicht so „funktionieren“ wie sie sollen.


Mein nächster Weg geht also direkt ins Team. Ich schaue mir die Abläufe an. Höre, was die Mitarbeiter mir über ihren Alltag erzählen und tatsächlich: Da stimmt etwas nicht! Zwar liegt das Problem selten an der Stelle, wo es zuerst vermutet wird, aber meistens ist es schnell erkannt. Ich wäre nicht ich, wenn ich mich jetzt nicht freuen würde, denn was gibt es schöneres als bestehende und gleichzeitig erkannte Probleme zu lösen? :) Ich arbeite mich tiefer in das Thema ein und identifiziere einzelne Punkte, an denen die Störungen stattfinden. Beginne nachzuvollziehen, wo der Ursprung der Störung liegt. Fange an Verbindungen von den einzelnen Punkten zu erkennen. Ja, da liegt ein bisschen Arbeit vor uns, aber nichts, was man nicht aus der Welt schaffen kann.


Im nächsten Jour-fix mit der Geschäftsleitung gebe ich die Rückmeldung, dass ich bestimmte Punkte erkannt habe und wir ab sofort daran arbeiten werden, um diese aus der Welt zu schaffen. Wunderbar.


Kurze Zeit später erhalte ich dann oft Rückmeldung von meinem Kunden, die ungefähr so klingt: „Dies oder das läuft ja immer noch nicht ganz rund!“ Nun kommt die Ungeduld zum ersten Mal zum Vorschein, die ich schon so oft erlebt habe. Dabei fallen Sätze wie die folgenden:


  • Daniela, warum greifst du denn nicht härter durch?

  • Daniela, sag doch den Mitarbeitern einfach genau, was sie tun sollen.

  • Daniela, mach doch du das einfach selbst, wenn die Mitarbeiter es nicht machen.


Hmmm… Joah. Kann man so machen, ist dann halt Kacke. Ich habe mittlerweile über 10 Jahre Erfahrung in der Führung von Mitarbeitern und ich war selbst 10 Jahre Mitarbeiter, in denen ich die unterschiedlichsten Herangehensweisen von Changeprozessen erleben durfte. Natürlich kann ich durch Druck kurzfristige Erfolge erzielen. Wenn ich jemanden sage, dass er das jetzt genauso machen soll, und zwar bis morgen, sonst… Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er es genau so macht. Aus Angst. Aus Angst vor den Folgen, wenn er es nicht tut. Unter Druck, ohne zu verstehen, um was es eigentlich geht. Damit erreiche ich aber eben nur einen kurzfristigen Erfolg, denn wenn nicht verstanden wird, warum ich das jetzt gern genauso hätte, dann wird es das nächste Mal wieder nicht so erledigt, wie es optimal wäre.


Ich weiß von mir selbst, dass ich Aufgaben nur dann erledige, wenn ich verstehe, warum ich diese erledigen soll. Und genau das habe ich auch in den vielen Jahren gelernt, in denen ich Menschen geführt habe. Wenn ich jemanden erkläre, warum ich etwas auf eine bestimmte Art und Weise tue, dann kann der andere ein Verständnis dafür entwickeln. Er kann nachvollziehen, was der Hintergrund ist. Es ist ihm möglich meine Gedankengänge nachzuvollziehen und somit ist er im Stande auch zukünftig so zu handeln. Und ja… das kann je nachdem, um was es sich handelt, auch ein bisschen länger dauern. Aber das Schöne daran ist doch, dass es dann für immer funktioniert. Wenn jemand einmal gehört, verstanden und akzeptiert hat, dann wird es einfach keinen Grund mehr geben, dass er es irgendwann nochmal anders macht.



Hand aufs Herz!


Ja, ich bin auch ungeduldig. Oft dauert mir etwas viel zu lang. Und was noch viel schlimmer ist: Ich bin auch genervt davon, wie lange manche Veränderungen benötigen. Doch eines muss klar sein: Durch die Ausübung von Druck und die Erzeugung von Angst, ist noch nie etwas Gutes entstanden. Wozu Angst und Panik in der breiten Masse führen, können wir an unserer aktuellen Corona-Situation leicht feststellen. Ich kann mich an kein Thema erinnern, das die Gesellschaft so sehr gespalten hat wie dieses. Menschen reagieren zunehmend aggressiver und genau dazu führt Angst auch in der Zusammenarbeit innerhalb vom Unternehmen. Die Fronten werden härter, die Widerstände größer.


Mach dir bewusst, dass nachhaltige Erfolge die Erfolge sind, die man feiern sollte. Und genau das tue ich. Jedes mal, wenn ich in meinem Job erkenne, dass ich etwas nachhaltig verbessert habe, dann feiere ich das und es ist sofort vergessen, wie lange der Weg dorthin gedauert hat oder wie steinig er war. Es ist wahnsinnig befriedigend Veränderungen vorzunehmen, die von anderen Menschen anerkannt, geschätzt und geachtet werden. Zeige Mitarbeitern, wie sie besser werden und wachsen, denn nur so kannst du als Führungskraft wachsen und nur so wird dein Unternehmen wachsen.


Merke dir:


„Jemanden, der überzeugt wird gegen seinen Willen, bleibt bei seiner Meinung im Stillen! „




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