• Daniela Friedrich

Ich habe keinen Fehler gemacht! Das war jemand anderes!

Ein Fehler ist passiert. Jemand hat ihn entdeckt. Du hast ihn verursacht. Dir wird ganz schlecht. Dein Magen zieht sich zusammen und du stellst dir die Fragen: Was nun? Werden es meine Kollegen merken? Was soll ich tun? Zugeben? Und da ist es auch schon passiert. Der Kollege steht beim Chef und zeigt offensichtlich mit dem Finger auf Dich.



Diese Situation kennen wir alle. Man hat einen Fehler gemacht und ist sofort der Sündenbock. Fehler passieren in allen Lebensbereichen: beim Spiel, in der Beziehung, in der Arbeit,… Als wir noch Kind waren, wollten die anderen Kinder nicht mehr mit uns spielen, weil wir einen Fehler gemacht haben und die Mannschaft verloren hat. In der Beziehung wirft uns der Partner vor, dass wir schuld sind, dass die Beziehung nicht funktioniert. Im Beruf glaubt der Vorgesetzte nicht mehr an unser Können, weil ein Fehler Geld kostet.


Was sind eigentlich Fehler?


Fehler sind grundsätzlich sehr unterschiedlich und können in unterschiedlichsten Bereichen entstehen. Fehler im Material. Fehler in der Entscheidung. Fehler im Handeln.

Was Fehler allerdings gemeinsam haben: Es ist immer ein abweichender Zustand. Eine Abweichung von dem, was man als optimal bezeichnet.

Ein kleiner Fehler im Material, kann die Brücke zum Einsturz bringen. Ein Fehler in der Beziehung, kann das Vertrauen des Partners kosten und ein Fehler im Beruf, kann den Job kosten. Wie klein oder wie groß ein Fehler ist, hängt vermutlich immer davon ab, welche Auswirkungen der Fehler hat.


Warum machen wir Fehler?


Oft stehen wir unter Druck, haben Stress und dann passiert ein Fehler. Es kann aber genauso gut passieren, dass wir uns einen Flüchtigkeitsfehler leisten, weil wir uns unserer Sache zu sicher sind. Manchmal treffen wir Entscheidungen und können vorher gar nicht wissen, welche die optimale Entscheidung ist. Wir haben eine 50:50 Chance und… da war er wieder. Der Fehler in der Entscheidung!


Was Fehler mit uns machen


Während ich hier schreibe, merke ich erst wie negativ dieses Thema behaftet ist, obwohl wir alle ständig Fehler machen. Ein Fehler kann uns viel Geld kosten. Ein Fehler kann dazu führen, dass wir stunden-, tage- oder wochenlang grübeln, was da passiert ist. Ja manchmal lässt uns so ein Fehler unser Leben lang nicht mehr los. Fehler machen uns klein. Fehler geben uns das Gefühl, dass wir versagt haben.

Und selbst, wenn wir es schaffen, dass wir den Fehler abhaken und weiter machen, kommt unsere Umwelt und schiebt uns den schwarzen Peter zu. Der wars. Der hat den Fehler gemacht. Heute auch gern als Fingerpointing bezeichnet. Spätestens jetzt fühlen wir uns schlecht.


Sind Fehler überhaupt falsch?


Aus Fehlern lernt man heißt es doch, oder? Erfordert die Weiterentwicklung nicht grundsätzlich auch, dass man Fehler macht? Wir sammeln Erfahrung dadurch, dass wir nicht alles optimal machen. Wir bekommen die Chance etwas besser zu machen als zuvor. Wo wäre die Weiterentwicklung, wenn immer alles optimal wäre? Und woher wüssten wir denn wie optimal ist, wenn alles optimal wäre?


Hand aufs Herz!


Ich habe auch schon Fehler gemacht. Ich habe auch schon Fingerpointing betrieben. Vermutlich können sich die wenigsten von uns davon freisprechen. Doch wozu führt das? Der Fehler ist damit nicht korrigiert und der damit verbundene Schaden wächst. Der „Schuldige“ wird künftig in Angst leben wieder einen Fehler zu machen, was dazu führt, dass er ganz sicher den nächsten Fehler produziert oder einfach gar nichts mehr macht.


Ich habe mich auch schon über anderer Leute Fehler geärgert – vor allem, wenn ich dafür geradestehen musste oder es die Firma Ansehen oder Geld gekostet hat. Doch ein Fehler – und wir machen sie ja alle – darf doch nicht dazu führen, dass jemand Angst hat und sich nicht weiterentwickeln kann. Fehler sind da, um gemacht zu werden. Fehler sind da, um sich zu verbessern.


Eine offene Fehlerkultur ist aus meiner Sicht die Lösung eine Person, ein Team, eine Beziehung oder was auch immer zu verbessern. Ganz nach dem Motto: Wo gehobelt wird fallen Späne! Fehler zu analysieren, die Ursache identifizieren und eine Lösung finden, ist doch der einzige Weg wie Weiterentwicklung und Verbesserung stattfinden kann. Nicht umsonst gibt es zahlreiche Prozessmethoden, die eine offene Fehlerkultur vorschreiben. Kaizen, Lean, TQM, Six Sigma, Scrum, Kanban… Alles Methoden zur Prozess Optimierung.

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